Klimazonen (Zonobiome) und exotische Pflanzen

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Klimazonen (Zonobiome) und Exotische Pflanzen

Aus welchen Klimagebieten kommen unsere Exoten, die wir in Europa auspflanzen können?

Die Wissenschaft teilt die Landflächen unserer Erde anhand von festgelegten Merkmalen und Klimadiagrammen in 10 verschiedene Vegetations- und Klimazonen ein. Sie werden als Zonobiome bezeichnet und von Römisch I bis Römisch IX und zusätzlich die Hochgebirge durchnummeriert. So ist z. B. das Zonobiom I die Klima- und Vegetationszone des „immergrünen tropischen Regenwaldes mit humidem äquatorialen Tageszeitenklima“, das Zonobiom VII dagegen das der „Steppen und Kalten Wüsten mit aridem Klima“. Jede Klimazone ist genau definiert; ihre Beschreibung benennt ein jeweiliges System, das sich in der Klimazone auf „normalen“ Böden, in Meereshöhe und bei normalem Wasserablaufsystem entwickelt. Zusätzlich zu diesen 10 Systemen gibt es Übergangsformen zwischen verschiedenen Klimazonen, die dann z. B. als Zonoökoton IV/V dargestellt wird.

Mitteleuropa liegt größtenteils im Zonobiom VI, dem der „winterkahlen Laubwälder des gemäßigten nemoralen Klimas“. Die Sommer sind mild und feucht, fruchtbar, die Winter nicht allzu lang, mit Temperaturen regelmäßig unter minus 10 bis minus 25 Grad C.

Welche Pflanzen aus wärmeren Gebieten können unter Umständen in Mitteleuropa bei Pflege des Menschen überleben? Es sind dies hauptsächlich Pflanzenarten aus:

  • Zonobiom IV: „Hartlaubgehölze der arido-humiden Winterregengebiete“, (das bekannte „Mittelmeerklima“)
  • Zonoökoton III/IV: „subtropische Halbwüsten“
  • SubZonobiom V (sr): „Lorbeerwälder des warmtemperierten humiden Klimas an der Ostseite der Kontinente“.
  • SubZonobiom V (w): „Lorbeerwälder des warmtemperierten humiden Klimas an der Westseite der Kontinente“.
  • angrenzende Orobiome III, IV und V: „Höhenstufen und Gebirgsformationen der vorgenannten Zonobiome“

1. Zonobiom IV

Die Klimazone der Hartlaubgewächse kommt an den Westseiten aller Kontinente vor und zeichnet sich durch feuchte, kühle, aber kurze Winter und absolut trockene, heiße Sommer aus. Frostperioden im Winter sind möglich, wenn diese auch nie lang und schwer sind. Die Winterregen werden in den Wintermonaten von den bis in den 30. Breitengrad herübergreifenden Tiefdruckgebieten verursacht, im Sommer dagegen verhindern beständige Hochdruckgebiete in diesen Breitengraden jeden Niederschlag. Folgende Gebiete haben ein Mediterranklima mit für uns interessanten Pflanzen:

  • Das Mittelmeergebiet (Hartlaubwald, auch Macchie, Garrigue): Immergrüne Eichen, Sommergrüne Eichen (aus der Höhenstufe), Esskastanie (aus der Höhenstufe), Schneeball, Zypressen, Oliven, Feigen, Granatapfel, Erdbeerbaum, Lorbeerbaum (im Übergang zum Zonobiom V), Pinien, Immergrüne Lorbeerkirsche, Steinlinden, Oleander Zwergpalme Chamaerops humilis, im Übergang zum Zonoökoton III/IV (heiße subtropische Halbwüsten, in Hochlagen): Afghanische Mazari-Palme Nannorrhops ritchiana, und Dattelpalmen Phoenix
  • Westkalifornien (Chaparral, Encinal): Mammutbaum , im Übergang zum Zonoökoton III/IV (heiße subtropische Halbwüsten, in Hochlagen): Opuntia-Kakteen, Yucca
  • Chile (Matorral, Espinal): Embothrium, Winterrinde. Honigpalme Jubaea chilensis
  • Kapland (Fynbos): derzeit sind keine Gehölze bekannt, die einigermaßen winterfest sind. Von hier kommen die Proteaceae-Gewächse (Protea, Leucospermum, Leucadendron, Banksia, etc.), viele Erica-Arten und der einzige Baum dieser Region, der Silberbaum Leucadendron argenteum.
  • Südaustralien (Jarrahwald): Verschiedene Eukalyptusarten

2. Zonobiom V

Diese Klimazone der Lorbeerwälder kennt ebenfalls teils episodenhaft auftretende Fröste, doch im Gegensatz zum vorgenannten Klima ist es das ganze Jahr über feucht; es gibt keine Trockenperiode. Das Zonobiom V wird unterteilt in zwei Subzonobiome:

2.a Subzonobiom mit einem Regenmaximum im Sommer, sZb V (sr)

Es ist das ganze Jahr über feucht, doch die Passat- und Monsunwinde bringen im Sommer ein Regenmaximum. Diese Gebiete liegen auf der Ostseite der Kontinente und somit auf der dem Zonobiom IV gegenüberliegenden Seite. Fröste kommen kaum vor; es steht den Pflanzen stets genügend Wasser zur Verfügung. Folgende Gebiete stellen dieses Subzonobiom dar:

  • Ostasien: Kamelien, Zimmeraralie, Bambus, Klebsame, Pittosporum, Wollmispel, Aukube, Kaki-Pflaume, Hanfpalmen Trachycarpus
  • Östliches Nordamerika: Magnolien, Nadelpalme Rhapidophyllum hystrix, Sabal-Palmen
  • Ostbrasilien: Acca sellowiana, Araucaria angustifolia (Brasilianische Araukarie) Butia-Palmen, im Übergang zu den Tropen: Guadeloupepalmen Brahea
  • Ostaustralien: Eukalyptus, Akazien, Sophora, Wollemia nobilis, Araucaria bidwilli,
  • Neuseeland (Nordinsel): hier vorkommende Pflanzen sind in Mitteleuropa wenig winterhart, z. B. Rhopalostylis sapida (Nikau-Palme), Agathis australis, Cordyline australis und indivisa. (Zu den härteren siehe nächsten Abschnitt – Südinsel)
  • Südafrika (Ostküste): es sind keine winterfesten Arten vorhanden. Von hier kommt z. B. die Zimmerlinde Sparrmannia africana und auch Cunonia capensis.

2.b Subzonobiom mit einem Regenmaximum im Winter, sZb V (w)

Auch dieses sZB ist immerfeucht, allerdings mit einem Regemaximum im Winter, obwohl auch der Sommer feucht ist und keine ausgesprochene Dürre besteht. Es schließt sich an die Mediterrangebiete an und geht polwärts langsam in die winterkahlen Laubwälder über. Dieses sZB liegt somit wiederum an der Westseite der Kontinente, aber etwas weiter in Richtung der Pole als die vorgenannten Zonobiome. Von daher ist es etwas kälter, aber immer hochozeanisch. Auch in Westeuropa kommt dieses sZB vor, doch die ursprüngliche Pflanzenwelt wurde während der letzten Eiszeiten vollständig ausgerottet. Sehr viele für uns interessante Exoten kommen von hier:

  • Westliches Nordamerika: Mammutbäume, Douglasien, Thuja,
  • Nordportugal: es sind nur wenige Reliktarten vorhanden wie Immergrüne Lorbeerkirsche, Quercus lusitanica – Portugiesische Eiche
  • Nordostanatolische Schwarzmeerküste: Ja, auch hier herrscht das ZB V vor. Es kommen allerdings nur wenige Reliktarten vor. Bekannt und interessant für uns sind: Prunus laurocerasus, Buxus, verschiedene Rhododendron-Arten.
  • Südliches Chile: der Valdivianische Regenwald mit seinem großen Artenreichtum aus Araukarien, Südbuchen, Azara, Eucryphia, Winterrinde, Fitzroya cupressoides, Austrocedrus chilensis, Podocarpus sp., Weinmannia trichosperma, und viele andere Gattungen und Arten, die südwärts langsam in den Magellanischen Regenwald übergehen, der schon zum Zonobiom VI gehört, jedoch kaum Frost unter minus 10 Grad C zeigt.
  • Neuseeland (Südinsel), Tasmanien: Tasmanische Winterrinde, Schnurbaum, Sophora, Baumfarne, Eukalyptus, Podocarpus und Nothofagus.

Wer sich für die Klimazonen interessiert, findet hier weiterführende Informationen: http://www.payer.de/cifor/cif0206.htm.


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