Sommergrüne Eichen

Quercus faginea, pubescens, cerris u. a.

Sommergrüne Eichen

Nicht nur immergrüne, sondern auch laubabwerfende Eichenarten kommen rund um das Mittelmeergebiet vor. Letztere bilden an ihrem Naturstandort die sommergrüne Laubwaldstufe oberhalb der immergrünen Wälder; sie gehören nicht mehr zur eigentlichen mediterranen Zone, sondern man spricht hier bereits von der submediterranen Laubwaldstufe. Da das Mittelmeergebiet aufgrund seiner Lage und seiner geschichtlichen Besonderheiten ein Diversifikationszentrum darstellt, nimmt es nicht Wunder, dass wir hier etliche Eichenarten vorfinden, die laubabwerfend sind. Einige dieser Eichenarten haben einen Hang zum Immergrünen: in sehr milden Wintern oder unter Schneeauflage bleiben die Blätter grün und überstehen oft in diesem Zustand den Winter. Man spricht hier von halbimmergrün.

Viele dieser laubabwerfenden Eichen gelten auch in Mitteleuropa als absolut winterhart wie z. B. die Zerreiche Quercus cerris, die man manchmal in großen Parks als alten Baum vorfindet. Doch auch andere, weniger bekannte Arten dürften weit frosthärter sein als die immergrüne Steineiche Quercus ilex. Genauere Untersuchungen und Erfahrungswerte fehlen freilich noch.

Viele Arten zeigen einen starken Hang zur Bastardbildung untereinander, auch unter natürlichen Verhältnissen. So gibt es lokale Übergangsformen zwischen einzelnen Arten, und auch die Anzucht aus einem eigentlich reinen Saatgut fällt nicht immer einheitlich aus.

Die Libanoneiche Quercus libanii ist, ähnlich wie die nahe verwandte Zerreiche aus Anatolien, ein stattlicher Baum aus den Gebirgen des nahen Ostens. Ihr fein gesägtes Laub erinnert eher an das der Esskastanie, jedoch ist es in allen Maßen kleiner. Wie auch die Zerreiche dürfte die Libanoneiche in Deutschland absolut winterhart sein. Kreuzungen beider Arten werden als Quercus Xlibanii bezeichnet.

Die Flaumeiche Quercus pubescens kommt von natur aus im nördlichen Mediterrangebiet dort vor, wo es der Steineiche schon zu kalt wird, also in höheren Lagen und nordwärts „Richtung Mitteleuropa“. An diesen Standorten ist sie wegen ihrer größeren Frosthärte der Steineiche gegenüber konkurrenzfähiger. Doch auch im echten Mittelmeerklima kommt die Flaumeiche in Gesellschaft mit immergrünen Eichenarten vor, woraus geschlossen werden kann, dass zwischen diesen Arten ein ständiger Konkurrenzdruck besteht. Das eigentliche Verbreitungsgebiet ist aber submediterran: es umfasst die Südalpen, den Balkan, die Iberische Halbinsel, den Italienischen Appenin und angrenzende Gebiete. Selbst um die Alpen herum hat sie es geschafft, sich nach der Eiszeit auszubreiten: von dort greift ihr Verbreitungsgebiet über auf Niederösterreich auf der Ostseite sowie auf die obere Rheinebene auf der westlichen Seite der Alpen. Selbst in den wärmsten Gegenden Deutschlands kommt sie somit von Natur aus vor. Äußerlich ist die Flaumeiche unserer heimischen Traubeneiche Quercus petraea recht ähnlich, zumindest was das Laub betrifft. Lediglich zur Zeit des Austriebes wird deutlich, woher die Art ihren Namen hat: der Jungtrieb ist in weißlich-rosa Flaum gehüllt.

Die Portugiesische Eiche Quercus lusitanica (synonym Quercus faginea) stammt von der Westseite der Iberischen Halbinsel und somit aus einem Klima, das eigentlich nicht mehr als mediterran bezeichnet werden kann, weil die Sommerdürre fehlt. Sie ist als Reliktart anzusehen aus einer Zeit, als Europa (vor den Eiszeiten) noch warmtemperiert und immerfeucht war. Von allen damaligen Eichenarten hat es lediglich diese Art geschafft, zu überleben. Quercus lusitanica ist eindeutig halbimmergrün und für unsere Verhältnisse ausreichend frosthart, auch wenn sie bei starkem Frost das schöne Laub verliert.


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