Überwinterung von exotischen Pflanzen

Überwinterung

Die härteste Jahreszeit für unsere Pfleglinge

Was macht die Winterhärte aus?

Heimische Gehölze bereiten sich durch Abwurf der Blätter auf die kalte Jahreszeit vor. Gleichzeitig erhöht sich in den Zellen die Konzentration von Zucker- und Stickstoffverbindungen; es ensteht also eine Art „chemischer Frostschutz“, der die Zellen vor dem Gefrieren auch bei tiefsten Temperaturen schützt. Diesen Gefrierschutz haben südländische Pflanzen kaum oder gar nicht.

Auf der Seite Winterhärtetabelle finden wir Angaben zu einigen Arten bezüglich ihrer Winterhärte in Deutschland.

Warum können dennoch manche Südpflanzen bei uns überwintern?

Die meisten „Kübelpflanzen“ können ohne Schaden einige Minusgrade für eine gewisse Zeit vertragen. Nehmen wir als Beispiel einmal die Chinesische Hanfpalme Trachycarpus fortunei, die unter günstigsten Bedingungen kurzfristig Temperaturen bis -17 Grad Celsius übersteht. Das kälteempfindlichste Organ der Hanfpalme wie auch aller anderen Pflanzen sind die Wurzeln. Stünde unsere Hanfpalme nun für mehrere Wochen bei starkem Dauerfrost draußen im Kübel, so würden die Wurzeln mit Sicherheit Schaden nehmen, die Pflanze würde wahrscheinlich nicht überleben. Dieselbe Pflanze, eingepflanzt im Garten, hat jedoch erheblich bessere Chancen, den Winter zu überstehen, da die Wurzeln vor allzu strengem Frost und schnellen Temperaturschwankungen geschützt sind. Neben der Temperatur haben u. a. die Luft- und Bodenfeuchte, die Windverhältnisse, die Bodenbeschaffenheit und die Sonneneinstrahlung einen Einfluss auf das Überwinterungsverhalten von südländischen Pflanzen. Dazu mehr im nächsten Abschnitt. Auf die Frage, welche Pflanze nun welche Tiefsttemperaturen überstehen kann, lässt sich keine einheitlichen Angaben machen, schon gar keine Temperaturwerte.

Als Faustregel gilt: Gehölze des Mittelmeerländer, Nordamerikas und Ostasiens sind härter als die Australiens oder Südchiles; laubabwerfende sind frostbeständiger als Immergrüne. Aus Südafrika dürfte es wohl kein Gehölz geben, das über genügend Winterhärte verfügt, um unter mitteleuropäischen Verhältnissen überwintern zu können.

Und noch eine Faustregel: Erfolgsaussichten bestehen dort für ausgepflanzte mediterrane Holzpflanzen, wo -12 Grad C sehr selten und -20 Grad C nie erreicht werden. Für die an ein milderes Klima gewöhnten Immergrünen liegt die Grenze bei -8 Grad C bzw. -12 Grad C (Zitat aus „Kübelpflanzen – der Traum vom Süden“, Christoph und Maria Köchel). Bei den Immergrünen, teils auch bei den laubabwerfenden, kommt als begrenzender Faktor nicht nur die absolute Tiefsttemperatur, sondern die sogenannte Frosttrocknis hinzu. Bekanntlich verdunsten Immergrüne auch im Winter über ihre Blätter Wasser. Bei gefrorenem Boden jedoch ist es ihnen nicht möglich, den Wasserverlust auszugleichen. Sie vertrocknen also.

Auf der Seite Winterhärtetabelle finden wir Angaben zu einigen Arten bezüglich ihrer Winterhärte in Deutschland.

Exoten abhärten!

Die meisten der hier besprochenen Gehölze südländischer Herkunft lassen sich bis zu einem gewissen Grad an Frost „gewöhnen“; sie werden abgehärtet! Voraussetzung hierfür ist ein Ausreifen der Jungtriebe im Herbst, also ein Abschluss des Wachstums! Nehmen wir als Beispiel einmal den bekannten Mittelmeerschneeball „Laurustinus“, den man heute in jedem Baumarkt findet. Im Herbst nach Abschluss des Wachstums tritt bei Viburnum tinus, wie er lateinisch heißt, die erste Phase der Abhärtung ein; sie steigert sich mit Eintritt der ersten Nachtfröste. Die maximale Abhärtung erreicht Viburnum dann, wenn die Temperaturen nachts -5 Grad Celsius (und tiefer) erreichen. Aufgrund physiologischer Veränderung in den Zellen durch die Frosteinwirkung hält Viburnum tinus jetzt ohne weiteres -17 Grad Celsius aus. Eine nicht abgehärtete Pflanze würde derartige Temperaturen bei weitem nicht überleben! Ähnlich wie der Laurustinus verhalten sich die Olive, die Pinie, der Lorbeer, die Magnolie und die Zypresse, um nur einige zu nennen. Aus diesem Grunde ist es im Sinne einer maximalen Abhärtung so wichtig, dass die (ausgepflanzten) Gehölze den Frost „spüren“; wir schützen sie lediglich vor Extremtemperaturen bzw. extremen Wetterlagen (Temperaturstürze, Frosttrocknis, Spätfröste, Schneebruch etc).

Was sind Frostschäden?

Pflanzen erfrieren nicht schlagartig, sondern beginnend mit dem kälteempfindlichsten Organ. Lassen wir einmal die Wurzeln außer Betracht, unterscheidet man folgende Abstufungen:

Schäden ersten Grades: Sie sind relativ harmlos und haben auf das Überleben der Pflanze keinen allzu großen Einfluss. Es sterben zuerst die Blüten, die Blütenknospen, dann vom Rande her die Blätter, die Blattnervatur, schließlich das ganze Blatt mitsamt Stiel.

Schäden zweiten Grades: Jetzt sind schon die bereits angelegten Knospen und ein Großteil der Zweige erfroren. Ein normales Weiterwachsen ist nun nicht mehr möglich; wenn die Pflanze überlebt, treibt sie im Frühjahr aus Reserveknospen wieder aus.

Schäden dritten Grades: Das gesamte, oberirdische Altholz ist erfroren. Manche Pflanzen (insbesondere Sträucher) sind in der Lage, aus dem Wurzelstock wieder durchzutreiben. Jedoch sind Palmen, Nadelbäume und viele baumartig wachsenden Gehölze jetzt verloren! Je nach Pflanzenart stellen sich die Grade bei unterschiedlichen Tiefsttemperaturen ein. Von den ersten, leichten Frostschäden bis zum Totalverlust beträgt die Temperaturspanne im allgemeinen zwischen 4 und 8 Grad Celsius (Kelvin). Sie ist in der Regel größer bei Arten mit stärkerer und kleiner bei Arten mit schwächerer Frostresistenz.

Das Großklima

Das Klima Mitteleuropas wird sowohl vom warmen Golfstrom als auch vom osteuropäischen Kontinentalklima geprägt. Beide haben einen stetigen Einfluss auf das hiesige Klima, mal überwiegt der eine, mal der andere Einfluss, je nach Lage der Hoch- und Tiefdruckzonen und der Strömung der Luftmassen (daher ist das Wetter in Mitteleuropa auch kaum vorhersagbar). Die mildesten Winter Deutschlands findet man in der Kölner Bucht; die Milde der Winter zieht sich südwärts die gesamte Rheinebene entlang bis zum äußersten Südrand der Republik. Nordwärts werden die Winter oft noch milder; sie herrschen hier rheinabwärts vor und beziehen die gesamte Nordseeküste mit ein. Dieses Klima mit milden Wintern ist für die Überwinterung von Exoten im Freien natürlich sehr günstig. Gerade die Immergrünen fühlen sich hier wohl, insbesondere im Norden, wo die kühlen Sommer für ein sehr ausgeglichenes Großklima sorgen. Pflanzen, die jedoch eine große Sommerhitze benötigen, kommen hier nicht so gut zurecht, so wird der Oleander beispielsweise nur im Süden zum Prachtexemplar. Je weiter man sich nun von der Westseite unseres Landes richtung Osten bewegt, desto kälter und rauher werden die Winter. Die tiefsten Temperaturen kommen tatsächlich in Odernähe vor! Dennoch kann man auch hier die eine oder andere Exotin auspflanzen, wenn man die klimatischen Verhältnisse im unmittelbaren Umfeld der Pflanze berücksichtigt. Durch Auswahl des Standortes läßt sich ein rauhes Klima zumindest teilweise kompensieren.

Das Kleinklima

Wie bereits angeklungen ist, hat nicht nur das örtliche Klima einen Einfluss auf die Temperaturverhältnisse unserer Pflanze im Winter, sondern ganz besonders auch das Kleinklima. So ist es beispielsweise möglich, einen Lorbeerstrauch im Innenhof eines Wohnblocks der Hamburger Innenstadt ausgepflanzt zu halten; derselbe Lorbeerstrauch würde im freien Gelände außerhalb Hamburgs wohl auch einen milden Winter nicht überleben. Wir sollten bei der Auswahl des Standortes also auf die kleinklimatischen Begebenheiten besonderen Wert legen: der Standort sollte vor Ostwinden geschützt sein, im Winter möglichst keine Sonne erhalten und sich nicht in einem „Kälteloch“ befinden. Je näher er sich an einem beheizten Gebäude befindet, desto besser. Wie gesagt, in Innenstädten ist es immer milder als auf dem Lande.

Was können wir noch tun?

Auch in milden Wintern wird es vorkommen, dass der Boden bei Kahlfrost gefriert. Was nun? Hier sollte auf jeden Fall Vorsorge getroffen worden sein, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen! Mit einer extrem dicken Mulchschicht ist hier schon viel gewonnen. Geeignet sind alle lockeren, trockenen Materialen: Rindenmulch, Stroh, Styroporflocken, Holzwolle, Laub etc. Man kann das Mulchmaterial, umhüllt und festgehalten von einem Holzkasten oder einer Folie, so hoch aufbauen, dass ein Großteil der Pflanze von ihm überdeckt ist. Je nach Klima und Empflindlichkeit der Pflanze ist auch für oberirdischen Winterschutz zu sorgen. Als Schutz gegen Sonne, Wind und Kälte können unterschiedliche Formen und Materialien eingesetzt werden: von der einfachen Umwicklung des Stammes und/oder der Äste, über den Bau eines einfachen Gerüstes für die Befestigung einer Reetmatte oder Folie, die Konstruktion eines kunstvollen Winterschutzes bis hin zum Bau eines mobilen Kleingewächshauses mit oder ohne Heizung sind hier keine Grenzen gesetzt. Bei der Verwendung eines oberirdischen Winterschutz ist darauf zu achten, dass die Pflanze darunter genügend Luft erhält, da sie sonst faulen könnte. Besonders bei Folien ist hier erhöhte Vorsicht geboten. Desweiteren sollte jede Form von Winterschutz so spät wie möglich angebracht und so früh wie möglich wieder abgebaut werden, um die Pflanzen nicht zu verweichlichen!

Wann und wie werden Südpflanzen gepflanzt?

Um genügend Zeit für die Vorbereitung auf den Winter zu haben, sollten Exoten ausschließlich im Frühling (März, April) an ihren Standort gepflanzt werden. Im ersten Jahr nach der Pflanzung ist noch für ausreichende Wässerung und Nährstoffgaben zu sorgen. Übrigens: Je älter die Pflanze ist, desto unempfindlicher ist sie. Unser Schützling sollte also schon einen kräftigen Stamm gebildet haben und einen großen Wurzelraum besitzen, bevor er in die Erde kommt. Kleine Jungpflanzen haben keine Chance, über den Winter zu kommen!

Dennoch…

…sollte berücksichtigt werden, dass alle diese Pflanzen hier bei uns nicht heimisch und somit auch nicht an das Klima angepasst sind. Es kann und wird daher immer mal zu Ausfällen kommen, wenn nun eine Pflanze ganz und gar nicht mit dem Standort „einverstanden“ ist. So ist es beispielsweise möglich, dass ein Eukalyptus 20 Jahre auf einem Standort steht und im 21 Jahr Opfer eines extrem kalten Winters wird. Und: auch Exotengärtner machen Fehler! Diese zeigen sich dann nach dem Winter sehr deutlich! „Beim nächsten Mal wird alles besser!“ heißt auch hier die Devise. Von daher sollte bei einem Verlust einer Pflanze die Ursache hierfür erkannt und analysiert werden, um dann mit dieser Erfahrung einen neuen, besseren Versuch zu wagen! Bitte bedenken Sie immer: wir stehen mit unseren Erfahrungen noch ziemlich am Anfang!


Ein Gedanke zu „Überwinterung von exotischen Pflanzen“

  1. Hi,

    die Winterhärtetabelle ist wirklich sehr hilfreich- Danke für’s Bereitstellen! Mich ärgert selten etwas so wie Winterschäden- und zwar meist, die die im April vorkommen, wenn im März aufgrund der echt warmen Tage schon viele Sträucher und Bäume neu austreiben nur um dann von einer Kältewelle dahingerafft zu werden…

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